Blut und Kasse – Jooj // Review

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(Machermusik / Soulfood)

»Wenn es fresh is, isses Jooj! Wenn es fett is, isses Jooooj!« Comprende? Blut und Kasse hat eine gesunde Selbstein­schätzung. Glasklar reflektiert er das Schicksal des Menschen im Hamsterrad namens Kapitalismus, fühlt sich in »Asche und Staub« ohne Pathos in Abgehängte hinein und erkennt in »Immer das Gleiche«, dass sich Gangsterrap in der BRD oft auf klägliche Weise wiederholt. Sein Schiff namens Themenvielfalt läuft mit gehisstem Segel aus, auf Kurs Richtung Cash, um sich das eigene Stück Joojness auch leisten und genießen zu können. Was schwer ist, denn Macher genehmigen sich für gewöhnlich keine Pausen, wollen sie doch nicht eingeholt, geschweige denn überholt werden. Doch irgendwie muss man den Stress ja abbauen. Und was ist des kleinen Mannes Sonnenschein? Eben: Kiffen und Saufen. BK betäubt sich, bis er »Kaputto« geht. Doch aufs Highlife folgen schnell wieder Ernüchterung und Tiefgang. Als Antithese zur beklagten Monotonie stellt sich das Macher-Musik-Oberhaupt die Frage, wer eigentlich die wahren Übeltäter auf dieser Erde sind: »Du bist ein Gangster? Wo ist dein Amt, dein Gas, Öl und dein Land?« Die Berichterstattung erfolgt immer aus Sicht des Malochers, der sich seines niederen Status gegenüber wirklich mächtigen Menschen bewusst ist, und der sich fragt, ob es sich da noch lohnt, gesetzestreu zu bleiben. Ein schlechtes Gewissen zu haben, fällt ihm immer schwerer, schließlich offenbaren sich die wahren Verbrechen in immer kürzeren Abständen. Daraus resultiert, dass BK immer wieder in Versuchung gerät, auf gesetzwidrige Weise reich zu werden: »Ich mein, nicht dass ich’s tun würde, es ist nur ’ne Idee.« Selbstbeherrschung, nur eine von vielen Stärken dieses Grenzgängers. »Jooj« vermeidet Klischees und ist argumentative Gesellschaftskritik ohne Gejammer. Kreative Hooks, Top-Timing, ein Schuss Humor und viel Verbissenheit machen diese Platte in der Tat zur jooj’schen Angelegenheit.

Text: Jan Burger

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