Bushido – Carlo Cokxxx Nutten III

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(Bushido/Sony Music)
 
Es ist lange her, aber es gab eine Zeit, da stritt sich Bushido noch nicht mit Deutschlands größtem Schmutzblatt und Social-Media-affinen Grünen-Politikern. Als er 2002 gemeinsam mit Fler eines der stilprägendsten Deutschrap-Alben seit der Jahrtausendwende aufnahm, war Anis Youssef Mohamed Ferchichi ein junger HipHop-Liebhaber, der mit Frauenarzt und King Orgasmus One chillte, ab und zu sprühte und seine MPC liebte. Anno 2015 könnten die Umstände, unter denen ein Bushido-Album entsteht, kaum verschiedener sein. Den ganzen Tag rumhängen, Beats bauen, Köfte fressen und Texte einrappen geht halt nicht, wenn man eine Familie hat, ein kleines Musik-Imperium führt und von der Bild als Terrorist und Frauenfeind gebrandmarkt wird. So ist es nur logisch, dass Sonny Black auf dieser Platte in erster Linie Personen des öffentlichen Lebens beleidigt und kaum noch die Touris am Ku’Damm um ihre Mobiltelefone erleichtert. Überdies nutzt er »CCN III«, um sich ausgiebig auf die eigene Diskografie zu beziehen. In anderen Worten: Bushidos neues Album ist eine Art Best-of im besten Sinne. »Schluss mit Gerede« bezieht sich musikalisch wie textlich auf zwei indizierte Storytelling-Großtaten des Gangstarap-Pioniers. Das hoffnungslos düstere »Lila Scheine Lügen Nicht« hätte sich noch am ehesten auf dem ersten »Carlo Cokxxx«-Album wohlgefühlt und die ersten drei Songs auf »CCN III« klingen wie (hervorragende) »Sonny Black«-Leftovers. Die größte Stärke des Albums ist allerdings seine musikalische Basis. Weil das viel zu selten gesagt wird: Im deutschen HipHop gibt es kaum jemanden, der sich ähnlich routiniert darauf versteht, sowohl drückende und einschüchternde, als auch traurig-tragische Beats zu bauen. Zu kritteln gibt es an dieser Platte für Pöbelkunst-Liebhaber wenig, auch wenn Bushido freilich wieder mit der ein oder anderen Zeile über das Ziel hinausschießt. Zudem schmeißt er etwas zu routiniert mit Beleidigungen um sich, um die Qualität des großartigen »Sonny Black« zu erreichen. Und doch: »Immer noch, scheiß drauf, wie du mich gerne hättest/Immer noch, ’fick deine Mutter’ ist die Message!« Und zur Hölle, was wollen wir denn sonst von Bushido, als dass er für uns und für den Boulevard die Rolle des Menschenfeindes übernimmt? Wie ein anderer Bösewicht mal sagte: »Every fairytale needs a good old fashioned villain.« Manchmal ist die Welt ganz einfach, herrlich!