Common – Black America Again // Review

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(Def Jam / Universal Music)

Ganz ehrlich: Das hier ist kein neutraler Review-Text. Klar, hier soll es um ein Album gehen und nicht um den erschreckenden Ausgang der US-Wahlen. Wenn aber mit Common der ­Inbegriff des Conscious-Rap ein Album mit dem vielsagenden Titel »Black America Again« just in jenen Tagen ­veröffentlicht, in denen eine rotbackige Föhnfrisur androht, eben jenes America wieder groß zu machen – rassistische Hassparolen und absurder Anführerkult inklusive –, dann lässt sich das eben auch nicht ignorieren. Spätestens auf dem letzten und zugleich stärksten Track »Letter To The Free« nennt auch der altgediente Chi-Town-General die Dinge beim Namen: »We starin’ in the face of hate again/The same hate they say will make America great again.« Andererseits wäre es aber zu kurz gegriffen, diese Platte als bloßen Kommentar zur Person Trump zu hören. D’Angelo, Kendrick Lamar, zuletzt Solange – sie alle haben jüngst großartige, beeindru­ckende ­Alben herausgebracht, auf denen explizit über Rassismus, Sexismus und ganz allgemein Hate-Crime gesprochen wurde, noch bevor sich definitiv ab­zeichnete, dass man offensichtlich mit all diesen Schrecklichkeiten im Gepäck (immer noch) US-Präsident werden kann. In genau diese Reihe von LPs gehört zweifellos auch Commons jüngster Streich. Zugleich reiht sich »Black ­America Again« in dessen eigene umfangreiche wie durchwachsene Diskografie ein (»Electric Circus«? Grandios! »Universal Mind Control«? Verzichtbar!). Auch die neue Platte kennt nicht nur Höhepunkte: Die Produktion ist zwar durch die Bank solide – Karriem Riggins weiß eben einfach, was er tut – und reicht dabei von etwas vorhersehbarem Piano/Strei­cher-Pathos wie auf dem Titeltrack »Black America Again« bis zu spannenderen Synthbass-Spie­lereien wie auf dem Stück »A Bigger Picture Called Free«. Wer aber so wunderbar mehrdeutige Love Stories erzählen kann wie Common auf seinem 1994er-Classic »I Used To Love H.E.R.«, der sollte sich solche Peinlichkeiten wie »Love Star« einfach sparen. Das John-Le­gend-Feature hätte man streichen, das Stevie ­Wonder-Feature besser platzieren können. Aber geschenkt! Wichtig ist, dass genau jetzt genau solche Platten erscheinen. Oder um Common vor zwanzig Jahren zu zitieren: One Day It’ll All Make A Sense.

Text: Malte Pelleter

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