Kings of HipHop: Eminem

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Von der 8 Mile bis zur Skyline. Von den »Purple Pills« zur Schlaftablettensucht. Und dazwischen immer wieder diese Musik, die vom Erbsenzähler im SOHH-Forum bis hin zu seiner Oma mehr Menschen erreicht und berührt hat als die jedes anderen Rappers zuvor. Eminem war nie zu Hood für Hollywood und nie zu Hollywood für die Hood. Genau genommen, war er sogar nie Hood, nie Hollywood, zumindest nicht im üblichen Wortsinn. Er hat einfach nur seinen Film gefahren – und dabei das größte Drehbuch ­geschrieben, das dieses Spiel gesehen hat. Will the real Slim Shady please stand up.


 

Es gab eine Zeit, da trat Eminem auf der JUICE-Jam auf, durfte mit Method Man auf einen Track und galt ganz allgemein als größter gemeinsamer Nenner im Spannungsfeld zwischen Elternerschrecken und Silbenabzählen. Es war 1999, 50 Cent ein namenloser Dealer in Queens (oder auch nicht), und Dr. Dre ein belächelter G-Funk-Veteran, der gerade ein Label namens Aftermath an die Wand gefahren hatte. Heute kann man sich das in etwa so gut vorstellen wie, sagen wir, Michael Jackson bei “Feuer über Deutschland”. Das Elternerschrecken übernehmen längst gangbangende Neuköllner und die »HipHop-Bravo«. Und Silbenabzählen… Ja, wer braucht eigentlich noch Silbenabzählen, wenn man auch eine zu enge Hose und einen Twitter-Account haben kann?

Zwei Konstanten allein scheint es zu geben in der von Kanye und Yousendit gründlichst durchgerüttelten Rapwelt. Erstens: Die erste Single aus einem Eminem-Album ruht auf einem beschnapsten Pianoschunkler aus der Dre-Schule, wozu Em dann den Komiker mit Quäkstimme, lustigen Verkleidungen und kleinen Nickeligkeiten gegen Promis gibt. Zweitens: Alle gehen’s kaufen. Bei seiner mittlerweile fünften Studio-LP »Relapse«, die dieser Tage erscheint, gilt das für die offizielle Auskopplung »We Made You« ebenso wie für die Dre / Fifty-Kollabo »Crack A Bottle«. Letztere hielt man zunächst für reichlich unspektakuläres Blogfutter x thisis50.com, mit gutem Willen maximal noch für einen weiteren unfreiwilligen “Detox”-Leak. In echt aber brach das Stück den damals gültigen Startrekord für Digitalverkäufe mit 418.000 Downloads in der ersten Woche – bezahlte, wohlgemerkt.

Bei nüchterner Betrachtungsweise verwundern diese Zahlen. »We Made You« klingt exakt nach 2001 und »Crack A Bottle« exakt nach »2001«, und überhaupt könnte man sich die unverhoffte Wiederauferstehung der vermutlich größten lebenden HipHop-Ikone durchaus spektakulärer inszeniert vorstellen. Zur Klarstellung: Freunden des visualisierten Rhymebooks sollten beide Songs nach wie vor ein inneres “Paid In Full” sein; die X-fach-Reime, in die Eminem seine harmlosen Späße über Kim Kardashian, Sarah Palin und sich selbst kleidet, sind beeindruckend und auch von jüngeren Kollegen wie dem von ihm verehrten T.I. unerreicht. Seinen täglichen Ohrwurm bekommt man ohnehin gratis dazu. Aber nach historischer Tragweite fühlt sich das alles nicht an.

Das war durchaus einmal anders. 2003, zu Hochzeiten des »8 Mile«- und Fifty-Hypes, brachte Eminem die ganze Familie von Whoo Kid bis Obie in den Hamburger Volkspark. Er selbst hatte da schon seine zwei, drei Lektionen über die Musikverwertungsmaschinerie gelernt und pflegte solche Gastspiele mit kühler Routine runterzurattern, zumal im allenfalls lukrativen, ansonsten aber reichlich bedeutungslosen Europa. Deutschland jedoch drehte am Rad. Die Branchen-VIPs balgten sich aufgeregt um Karten, und das Volk – vollzählig erschienen vom PE- und Tribe-sozialisierten Berufsnostalgiker bis hin zu einer komplett neuen Generation an von MTV auf den Film geschickten und mit Fake-Bling behangenen Rap-Fans – drängte schon zur Vorgruppe in die vorderen Reihen wie einst bei den Beatles oder den, erm, Beginnern. Der Meister selbst schließlich versteckte sich leicht erkältet hinter Halbvollplayback – und riss doch die größte Show auf Gottes Erden runter. Larger than life? Zumindest larger than alles, was bis dahin unter HipHop in Deutschland denkbar war. Eminem war aufregend, als eigentlich schon nichts mehr aufregend war. Was bitte war da eigentlich passiert?

Auf Demo-Basis ohne nennenswerte Indie-Vergangenheit ­gesignt, ist Eminems frühes Schaffen vergleichsweise schlecht dokumentiert. Wie genau das alles war mit dem »Hip Hop Shop«, den Battles und dem kunstvoll verschwiegenen Albumdebüt »Infinite«, hängt deswegen ganz davon ab, wen man fragt: die Bass-Brüder Jeff und Mark, die »Infinite« 1996 in Kleinstauf­lage auf ihrem Label Web Entertainment veröffentlichten und Em bis heute bei seinen Eigenproduktionen zur Hand gehen; andere lokale Großwesire wie die Insane Clown Posse, die ihrem Aushängeschild in inbrünstiger Abneigung verbunden sind; oder eben die Vertreter der Aftermath/Interscope-Maschinerie, die erst dank Eminem zur Aftermath/Interscope-Maschinerie wurde, und später dann zur Shady/G Unit/Aftermath/Interscope/Universal Music Group/Vivendi-Maschinerie.


 

Gemein ist allen Darstellungen die Idee vom Rap als Ausweg aus der Tristesse der Trailerparks. Nicht als strategische (und anschließend auf fünf Alben plus Mixtapes abgefeierte) Erweiterung des Kleinunternehmens von der Straßenecke. Sondern vielmehr als ideeller Zufluchtort, als romantisches Refugium in einer kalten Welt aus Schulschwänzen, billigem Fusel und Identitätskrisen. Und natürlich als beste aller Möglichkeiten, zumindest ein paar Minuten Ruhm auf der Bühne eines High-School-Talentwettbewerbs abzugreifen. Wenn man so will, ist das klassischer Sportdramastoff: Der bleiche, schmächtige, linkische Außenseiter, der mit dem entscheidenden Anpfiff seine Ängste abstreift wie einen lose geknöpften Aufwärmanzug und die Spötter und Zweifler einfach mundtot macht, mit seinem Können und seinem Willen und der kanalisierten Wut des ewig vom Leben Gefickten alleine. Eine Geschichte, die bekanntlich nicht nur der Amerikaner liebt, und die sich zur Not auch zwei, drei mal erzählen lässt – insbesondere, so lange Platin schon am Veröffentlichungstag zusammengescannt wird. Bis heute sind von den ersten vier Eminem-Alben weltweit rund 60 Millionen Exemplare umgesetzt worden, die für Rap-Verhältnisse ebenfalls schwer verkaufsträchtigen Singles, Soundtracks, Raubkopien und die dreihundert Einheiten des 2006er-Labelsamplers »Eminem pres. The Re-Up« nicht mitgerechnet.

 

Die Theorie, wonach Eminems immenser Erfolg in erster Linie seiner Hautfarbe geschuldet sei, mag einen wahren Kern haben – frag nach bei den Beasties, deren Mittelstufenparty-Standard »Licensed To Ill« als erstes Rapalbum überhaupt die Spitze der Billboards stürmte. Doch ist sie letztlich eine Binse: Welcher weiße Vorstadtflegel will schon Mucke hören, die die schwarzen Inner-City-Kids hassen? Und wer genau war noch mal Haystak? In Wahrheit stellt sich Eminem einfach nur genau die Fragen, die jeden ganz normalen Pubertierenden zwischen zwölf und 50 zwischen Morgenlatte und Abendspliff so beschäftigen – und dazu gehört nun mal kaum die farbliche Abstimmung von Lexus und Hermelinmantel, die damals den Äther rulete. Sondern eher: Welches Spice Girl würde ich am liebsten unsittlich berühren? Pille oder Pilze? Alter, wie genau zahle ich dieser verdammten Schlampe diese verdammte Demütigung heim? Hm, eine Pille oder vielleicht doch lieber Pilze? Und warum zur Hölle sollte ich diesen Erwachsenen auch nur einen Funken Respekt zeigen, wenn die sich noch konsequenter daneben benehmen als ich?

Das ’99er Majordebüt »The Slim Shady LP«, eine mit drei Dre-Vehikeln nur geringfügig aufgemotzte Version der gleichnamigen, selbst veröffentlichten EP – der Löwenanteil der Beats kommt nach wie vor von Detroiter Weggefährten wie Denaun Porter, dem ehemaligen D12-DJ Head oder den Bass Brothers – wird konsequenterweise als provokantes Manifest eines Skandalrappers vermarktet. Die Presse reibt sich an Stücken wie »’97 Bonnie & Clyde«, in dem Eminem (oder vielmehr sein chronisch drogenberauschtes und gewaltbereites Alter Ego Slim Shady) seiner Tochter die Entsorgung der frisch ermordeten Babymutter erklärt, oder »Guilty Conscience«, in dem er genüsslich den moralischen Zwiespalt eines Räubers verbalisiert, seinen Protagonisten Stan eine besoffene 15-Jährige verräumen lässt, und zum krönenden Ende den Rachemord als probate Problemlösung empfiehlt. Wenig später kontert Em mit seinem ganz persönlichen Star-War »Stan«, dem vertonten fiktiven Brief eines obsessiven Fans, der indirekt auch mit falsch verstandener Idolshörigkeit aufräumt, und erschafft damit eine weitere Kunstfigur, die fortan den zweiten Pol seines kreativen Schaffens markiert: den vorgeblich echten Marshall Mathers. Diese Mischung aus oberflächlicher Komik, unmittelbar unterhaltender Gesellschaftskritik und tiefster Seelenspiegelung wird in der Folge zum Patentrezept und über drei Alben und Jahre hinweg immer kunstvoller iteriert. Auf der »Marshall Mathers LP« von 2001 seziert Eminem unter anderem seine Achterbahn-Ehe mit Kimberley Anne Scott, die ähnlich problematische Beziehung zu seiner Mutter, seine vorgebliche Vorbildfunktion in Columbine-Amerika, seinen sich langsam zum Problem auswachsenden Betäubungsmittelkonsum, seine angebliche Homophobie und vor allem immer wieder seine neue Rolle als Person des öffentlichen Lebens. Dazu gibt’s ein paar Grußadressen an die unvermeidlichen Neider und ein paar geschickt applizierte Geschmacklosigkeiten über Flugzeugabstürze und großräumig verteilte Gehirnmasse. Den Reim um des Reimes Willen dagegen muss man zu diesem Zeitpunkt bereits mit der Lupe suchen beim einstigen Freestyle-Wunderkind mit »Soundbombing«-Segen und gigantischer Gefolgschaft in der gerade am Zenit zuckenden Neo-Rucksack-Bewegung. Nach Deutschraps gängiger Mixtape / Album-Logik müsste man wahrscheinlich von »richtigen Songs« sprechen – mit dem klitzekleinen Unterschied, dass der Blondschopf aus Michigan noch das komplexeste Thema in ein zwingendes Rapformat zu schachteln weiß und jeden Anflug von Peinlichkeit mit einer Offenherzigkeit und Eloquenz erdrückt, die selbst Opfer seines berechnenden Spotts von Elton John bis Marilyn Manson zu ausufernden Elogen anspornt.

Mit »The Eminem Show« zieht sich der mittlerweile fast Dreißigjährige 2002 dann noch weiter in die Introspektion zurück, verarbeitet Kind (»Hailie’s Song«) und Kindheit (»Cleanin Out My Closet«, seine Konflikte mit dem Gesetz (»Soldier«) und erneut seine Sonderstellung als größter, meistdiskutierter und nicht zuletzt weißester Rapper seiner Zeit (»Sing For The Moment«, »Say Goodbye Hollywood«, »White America«). Was nach klassischem dritten Album klingt, ist in Wahrheit ein kleines Wunder. Denn die neue Marschrichtung wird weder von der Kritik noch von der Kundschaft abgestraft, nach dem fast schon obligatorischen Grammy-Gewinn verteilt die RIAA stolze neun Platinplaketten. Über das später im Jahr an Lichtspielhäuser rund um die Welt ausgelieferte Semi-Biopic »8 Mile« muss man ohnehin keine Worte verlieren – auch nicht an Leute, die sich durchaus Geileres vorstellen können als »Get Rich Or Die Tryin’« in der deutschen Synchro auf RTL2. Selbst »Encore« von 2004 ist gemessen an allen Standards des gesunden Menschenverstands – in der Unterhaltungsindustrie traditionell nicht beheimatet – ein immenser Erfolg, und das, obwohl der Chor der Nörgler unüberhörbar anhebt. Nicht nur die Doppelreim-Gestapo hat ein Problem mit der inspirationslosen Klamauk-Single »Ass Like That«, und bei »Mockingbird« fragen sich auch wohlwollende Betrachter, wie weit man den Kitschbogen noch spannen kann.

Unterm sprichwörtlichen Strich wird »Encore« von der Rap-Geschichtsschreibung dennoch weitgehend unterschätzt. »Like Toy Soldiers« etwa, mit dem ein augenscheinlich aufgeräumter Eminem ohne jede strategische Not einen emotionalen Schlussstrich unter die Fehden der jüngeren Vergangenheit mit Benzino und Gefolgschaft zieht, ist von schmerzhafter Klarheit und kristalliner Schönheit zugleich, »Mosh« ein Anti-Bush-Song ohne die in solchen Fällen üblichen Schuldemo-Scheißhausparolen, »Just Lose It« ein solides Stück Formatradio­pop von erstaunlicher Halbwertszeit. Die smarte Koketterie mit Rücktrittssymbolik und eine rigorose Verweigerungshaltung in der Albumpromo verleihen der Platte zusätzlich eine mystische Aura, die Jay-Z meinte, als er im Rahmen seiner Rückkehr in den aktiven Rapbetrieb von »event albums« sprach. Wenn man sich unbedingt auf eine derartige Rechtfertigungsrhetorik einlassen will: Eminem ist fünf Jahre nach seiner persönlichen Marslandung namens »My Name Is…« nach wie vor »relevanter« als 99,7% der bloggenden Burberry-Bohos heute.

Dabei steuert er zu diesem Zeitpunkt bereits zielsicher auf einen vollamtlichen Burnout zu. Er will nicht in der Öffentlichkeit stehen und geht auf Stadiontour. Er will nicht über sein Privatleben sprechen, sondern über seine Musik, und rappt über seine Familie, seine Schmerzen, seine Erzfeinde. Er will inneren Frieden und zieht raus in den Krieg. An die Stelle der Partydrogen, denen Em laut D-12-Bandkollege Proof 2002 abgeschworen hat, treten Schlafmittel und Antidepressiva, seine immer seltener werdenden TV- und Bühnenauftritte erinnern an öffentlich ausgetragene innere Kämpfe eines tieftraurigen Clowns in Baggypants, der im Grunde immer schon gewusst hat, was passieren würde.

So kommt, was kommen musste. Die europäischen Termine der dritten »Anger Management«-Tour 2005 werden aus gesundheitlichen Gründen ersatzlos gestrichen – kurz nachdem er dem »Scratch«-Magazin in seiner ersten Titelgeschichte als Produzent diktierte, sich künftig Dre zum Vorbild nehmen und mehr und mehr hinter den Kulissen arbeiten zu wollen. Tatsächlich hat Marshall Mathers am Beat durchaus seine Momente: Für Redman etwa erweckte er Tote zum Leben (»I C Dead People«), für 50 Cent komprimierte er die berstende Energie rund um seinen Hype 2002 / 03 in einer Hochdruckkammer aus Keys und Drums, und auch Jay-Z verdankt ihm zwei seiner vielen großen Momente: »Renegade« und »Moment Of Clarity«. Wo der Atem der Geschichte fehlt, schlägt das kunstfertig konstruierte Drama jedoch in plattes Pathos um, wirken seine synthetischen Melodiestränge seltsam deplatziert und blutleer. Dem zweiten Obie-Trice-Album »Second Round’s On Me« etwa ist das besessene Streben nach Perfektion im Gegensatz zum quasi-klassischen Erstling nicht mehr anzuhören. Die von großen Erwartungen begleitete Karriere von Stat Quo stockt, bevor sie auch nur ansatzweise begonnen hat. Und die eingangs bereits erwähnte Label-Compilation »The Re-Up«, im Weihnachtsgeschäft 2006 übereilt vom ungezwungenen Mixtape-Projekt zum Rettungsanker für das strauchelnde Iovine-Imperium aufgebauscht, gerät zum Vollfiasko. Zwar hat Eminem selbst in dieser dunkelsten Phase seines Post-Trailerpark-Daseins stets drei, vier Reimstafetten parat, die die meisten seiner Kollegen zur umgehenden schambedingten Abmeldung ihres YouTube-Kanals treiben müssten. In seiner Gesamtheit jedoch ist »Re-Up« kaum mehr als die grausame Bestätigung des Lothar-Matthäus-Syndroms. So wie auch der begnadetste Fußballer nicht gleichzeitig ein guter Trainer sein muss, scheitert Eminem als Produzent in allen Bedeutungsfacetten des Wortes: sein Roster ein Trupp nicht unbegabter, gleichwohl austauschbarer Eleven, das unterstellte Gespür für die Bedürfnisse des Marktes gründlich betäubt von einer mittleren Großstadtapotheke, seine Beats austauschbare Stangenware. Wenigstens aus dem unsäglichen Schaffen von D-12, die eingangs des Jahrhunderts zumindest noch für den einen oder anderen MDMA-getränkten Fetenfeger gesorgt hatten, hat sich Eminem elegant ausgeklinkt. Doch erwächst aus der Koketterie von »Encore« immer mehr das klamme Gefühl, der Vorhang könnte für immer gefallen sein. Shady-Klamotten jemand? Mein Arsch.

Immerhin zelebriert Eminem seinen Hiatus nicht als Event für den Boulevard, sondern sucht tatsächlich die Ruhe, die ihm so lange verwehrt geblieben war. Selbst Sensationsträchtiges wie die erneute Liason mit seiner ewigen Hassliebe Kim, der tragische Tod seines engen Freundes Proof, oder natürlich die Aufnahme der Arbeiten am neuen Album »Relapse« im frisch erworbenen Effigy Studio, blieben vom Eminem-Lager unausgeschlachtet: ein Unikum, zumal im Facebook-Zeitalter. Wenn sich der Vorhang dieser Tage also erneut öffnet und statt Slim Shady ein angeblich cleaner, mit Sicherheit aber auf N.O.R.E.-2009-Format runtergespeckter Em zurück zu seinem Bullshit geht, dann ist zumindest die Würde dieses Jahrhundert-MCs intakt. Des Typen, der die Mädchen in den »Hip Hop Shop« und die Jungs ins Popkornkino geholt hat, die Backpacker in die Stadien und die Popwelt vom hohen Ross.

»Scary Movies« auf 12’’ mit Original-Game-Records-Tittencover bei eBay: 4,99 $. Listenpreis für eine gemeinsame Show mit 50 Cent und Dr. Dre ca. 2004: eine Million Euro. Die Szene, in der Eminem im Linienbus die Lyrics zu »Lose Yourself« schreibt, den Beat auf dem Walkman, die Wut im Kuli? ­Unbezahlbar.

 

Text: Davide Bortot

Dieses Kings Of HipHop erschien in JUICE #119 (hier versandkostenfrei nachbestellen). juice-119