Naru – Truly Coco // Review

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(naruoffiziell.bandcamp.com)

Da Cloudrap und Trap aus den ­Staaten nicht verlustlos nach Deutschland importiert werden konnten, wurden hier beide Stile über die Jahre zu einer von halb­ironischen Hänflingen zusammen­gepanschten Bizarro-Version. Klar, auch ein Schüler aus Bamberg mit Internetanschluss sollte die Möglichkeit haben, seine Chief-Keef-Sozialisation in Musik auszudrücken. In dieser Spielart kann man aber einen Rapper vermissen, der angesichts zähfließender Trapbeats nicht automatisch das Tempo ­drosselt – jemand, der sich nicht hinter kryptischen Texten verstecken muss. Naru zeigt mit seinem Tape »Truly Coco«, dass er diese Lücke locker füllen kann. Würden die Beats vom Produzententeam True Lyes nicht so futuris­tisch-verträumt bouncen und die Flows des Dortmunders nicht so dynamisch switchen, könn­te man meinen, einen Rapper zu hören, der textlich so vor zehn Jahren schon mal exis­tierte. Auf »Truly Coco« werden im Taktrhythmus Schellen an Rapper verteilt, genüsslich Sportzigaretten geraucht und mit der Clique Drinks verschüttet. Regressiv fühlt sich das trotzdem nie an, weil Naru seine frische Battle­rap-Attitüde stets mit Schwermut und Grübelei anreichert. Dabei wirkt seine Betrübnis aber nicht wie ein zum Gimmick redu­ziertes Accessoire, sondern wie das Resultat eines drogeninduzierten Schwindels – gerade dann, wenn seine Worte dem strengen Diktat des Takts entfliehen, um dann wieder Stakkato-artig die Hood zu besingen. Wenn es authentischen Cloudrap aus Deutschland geben kann, spielt Naru weit vorne mit.

Text: Lukas Klemp