Omik K. [Interview]

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Wer ist eigentlich Omik K.? Zwar veröffentlichte der MC aus Leipzig mit »Sangre Mala« jüngst bereits sein drittes Album, so richtig in der Wahrnehmung des durchschnittlichen Rap-Hörers ist Omik trotzdem noch nicht angekommen. Ein Grund hierfür dürfte die musikalische Auszeit sein, die sich der junge Familienvater nach der Veröffentlichung seines zweiten Langspielers »Lagrima« und im Zuge der Geburt seines Sohnes nahm. Anfang 2013 fand der Deutsch-Kubaner jedoch wieder Zeit, Energie und Inspiration für neue Tracks. Nach einem knappen Jahr Arbeit erschien nun »Sangre Mala«, eine Mischung aus druckvollen Parts auf harte, elektronische Beats und deepen, ruhigeren Tracks. Bei Grillhähnchen und Pommes unterhielten wir uns mit Omik sowohl über sein neues Album, als auch über seine künstlerische und private Vergangenheit.

 

Du stammst ja aus der Stadt Morón in Zentralkuba. Mit sieben kamst du dann nach Deutschland. Kannst du dich noch an den Tag deiner Ankunft erinnern?
Der Abschied war sehr schlimm für mich. In Kuba hieß es einfach: »Steig in den Bus«, während meine Familie draußen stand und geweint hat. Für mich war das eine extrem harte Trennung, weil mein Vater von meiner Mutter schon länger geschieden war und ich dann auch noch Kuba verlassen musste. Als kleines Kind kann man das nur sehr schwer verarbeiten.
 
Damals sind bestimmt viele neue Eindrücke auf dich eingeprasselt.
Ja, die Sprache war sehr schwer zu lernen und die ersten fünf Jahre wollte ich mich eigentlich nur wieder verpissen. Aber was willst du als kleines Kind machen? Mittlerweile liebe ich Deutschland und lebe hier gut. Genau so liebe ich aber auch meine Herkunft und behalte sie mir in Ehren.
 
Der spanische Slang prägt ja auch noch heute deine Texte. Im Track »Barrio« thematisierst du deine Herkunft, indem du viele spanische Begriffe verwendest. Inwiefern prägt dich die Erinnerung an dein Heimatland?
Die Verbindung zu Kuba ist nach wie vor sehr stark, vor allem durch meine Mutter und meine Familie. Die spanische Sprache und die Kultur haben wir uns beibehalten, das ist immer noch wie früher. Natürlich habe ich durch meine lange Zeit in Deutschland schon einiges vergessen, aber Kultur und Mentalität sind gleichgeblieben.
 
Du beschreibst auf dem neuen Album, dass du dich anfangs überhaupt nicht in Deutschland heimisch gefühlt und aufgrund dessen dann auch deine Schule abgebrochen hast. Inwiefern hat dir in dieser Zeit Musik geholfen?
Ich war sehr oft alleine und hatte nur wenige Freunde, als ich klein war. Ich saß dann Zuhause und hab mir die Kopfhörer aufgesetzt und CDs gepumpt, die ich geschenkt bekommen hatte. Die Musik hat mir sehr geholfen, ich lebe HipHop, seitdem ich klein bin. Auch wenn es nicht so rüberkommt.

 
Mit elf hattest du deine ersten Erfahrungen mit HipHop und Graffiti. Was hat dich damals inspiriert?
Ich habe viel Reggaeton gehört, die Puerto-Ricaner und Mexikaner natürlich auch. Die Puerto-Ricaner sind aber wirklich die geilsten! Daddy Yankee zum Beispiel. Der ist der King. Ansonsten nur amerikanische Mucke. Aus dem deutschen Bereich nicht so viel.

 
Wie sah dein Einstieg in die Leipziger HipHop-Szene aus?
Mit 15 habe ich aus Spaß mit einem Kollegen angefangen und ein Crew-Album rausgebracht. Das war die Anfangszeit, ziemlicher Toyshit. Das war aber der erste harte Shit in Leipzig. Wir wollten einfach mal auf die Scheiße hauen! Als dann die ganze Berlin-Welle nach Leipzig rüberschwappte, wollten wir auch mal durchdrehen. Also machten wir ein kleines Album mit dem Namen »Crime is King«. Danach ging es los. Die Tapes verbreiteten sich und wir merkten, dass da was geht. Es gab nur wenige Leute in der Rapszene, die wirklich was drauf hatten. Aber mein Kollege Big A [3XL, Anm. d. Red.] war schon richtig lange am Start und ich war damals großer Fan von ihm. Ansonsten gab es nicht so viel, was mich neben Morlockk Dilemma wirklich geflasht hätte. Morlockk ist nach wie vor ein guter Freund. Er war auch auf »13 Jahre Deutschland« und »Lagrima« als Feature vertreten. Er ist in Leipzig so etwas wie der große Papa. Er hat auf seiner Schiene alles ins Rollen gebracht und ist für viele in Leipzig ein großes Vorbild. Eine richtig Leipziger Legende, das darf man nicht vergessen.

 
Du beschreibst in dem Track »Ostblockspezial« aus dem neuen Album, das du »Zum Beat schreibst, was du siehst«. Wie genau gehst du denn vor, wenn du Texte schreibst?
Ich schreibe nur nachts. Ab Mitternacht geht’s los, da verarbeite ich den ganzen Tag in meinen Texten. Ich sitze dann in Leipzig in der Straßenbahn, im Auto oder jogge. Ich kann mich aber nicht wie ein Savas hinsetzen, mir vornehmen, einen Sechzehner zu schreiben und das auch wirklich direkt durchziehen. Wenn ich in einen Beat reinhöre, bekomme ich schon ein Gefühl für den Text. Ich setze mich dann hin und schreibe einfach, was mir dazu einfällt. Die Lines kommen praktisch von selbst, wenn die Musik ein gewisses Gefühl in mir auslöst. Ich habe aber auch schon viel in meinem Leben gesehen, das verschafft mir auch einen gewissen Vorteil.
 

 
»Sangre Mala« ist dein drittes Soloalbum. Gibt es Veränderungen zu deinen vorherigen Alben?
Soundtechnisch ist das Album voll mein Ding! Ich merke gerade, dass sich die gesamte HipHop-Szene wieder zurück in die Boombap-Richtung entwickelt. Back to the roots. Das finde ich cool, aber es ist nicht mein Ding. Ich mag dieses synthetische. Richtig räudig! Der Beat muss richtig auf die Kacke hauen. Du musst durchdrehen, wenn du das beim Pumpen hörst. Man muss die Musik einfach fühlen. Die Leute, die das hören, wissen auch genau, was ich damit vorhabe und was ich meine. Es ist mir auch egal, wenn es nicht so viele hören. Ich mache, worauf ich Bock habe. Das ist das wichtigste.

 

»Sangre Mala« vereint zwei Gegensätze: Zum einen aggressive, harte Straßenmucke auf elektrolastige Beats mit druckvoller Stimme, zum anderen thematisierst du in den ruhigeren Tracks der Platte die Frage nach Frieden auf Erden und beschreibst deine Hilflosigkeit als du nach Deutschland gekommen bist. Was war der ausschlaggebende Grund für die deeperen Tracks?
Mein Style ist Trauer und Frust. Natürlich feiere ich Partys mit meinen Jungs und lebe diesen Lifestyle auch mehr als die meisten, die in ihren Videos auf krass tun. Aber das ist eben ein Lifestyle, den ich nicht auf meinen Platten hören will. Ich lasse da eher meine negativen Gefühle raus, weil es mich therapiert und mir Spaß macht. Das ist für die Leute, die genauso denken wie ich und das will ich hier auch noch mal betonen. Ich werde mich nie verbiegen, selbst wenn ich nur drei CDs verkaufen sollte. Ich habe durch meine Art den Bezug zur Straße und das schätze ich mehr als alles Geld der Welt.
 

 

Du beschreibst im Track »Ma Life«, dass du die bei anderen fehlende Realness besitzt. Was unterscheidet dich von anderen Rappern?
Ich verkörpere einfach etwas, das es so in Deutschland noch nicht gegeben hat. Mein Sound und meine kubanische Herkunft – einfach meine Art. Ich respektiere viele Rapper, vieles feiere ich auch und einige ähneln mir auch. Es gibt zwar auch vieles, das mich abfuckt, aber ich würde deswegen niemanden dissen. Ich mache einfach mein Ding und versuche mich von der Masse abzuheben. Auch wenn ich nicht der beste Rapper der Welt bin, bleibe ich meiner Linie treu und verändere mich nicht. Wem es nicht gefällt, der soll sich verpissen.

 
In »Vaterland« übst du gerade zu Anfang des Tracks harte Kritik an Deutschland. Du beschreibst die schwierige Situation, als du gerade in Deutschland angekommen warst. Allerdings bezeichnest du dich in der Hook selbst als »Kind Deutschlands«.
Das Versöhnungsangebot ist komplett ernst gemeint, denn ich liebe dieses Land. Es gibt hier alles, ich muss keine Not leiden. Natürlich ist nicht alles in diesem Land positiv und es gibt auch viele Sachen, die besser laufen könnten. Ich würde aber niemals rappen: »Deutschland, ich spucke auf dich!« Das Land hat mich aufgenommen und mich großgezogen. Auch wenn ich meine Kindheit verarbeiten muss, lebe ich jetzt hier und bin glücklich. Es ist mein Vaterland.
 
In »Kleiner Bruder« stellst du dich als Antiheld dar und empfiehlst deinem kleinen Bruder, es anders zu machen. Richtest du dich dort an eine gewisse Person und ist der Track auch für deinen Sohn gedacht?
Der Track geht an die Kids. Das waren die Worte, die ich gerne an meinen verstorbenen Freund Kamal nach dessen Tod gerichtet hätte. Er war immer ein guter Junge und wie ein Bruder für mich. Trotz all der Scheiße, die wir in unserer Jugend gebaut haben, hat Kamal die Kurve gekriegt. Er hat seinen Abschluss geschafft und hatte sein ganzes Leben noch vor sich. Wenige Tage nach dem bestandenen Abschluss wurde er von rechtsradikalen Hurensöhnen in der Innenstadt umgebracht. Sein Tod hat mich sehr traurig gemacht und lange beschäftigt. Das hat mich auch dazu gebracht, diesen Song zu schreiben, um den Kids klarzumachen, dass sie keine Scheiße bauen sollen.
 

 
Auf »Für die Jungs« hattest du mit Haftbefehl einen namhaften Feature-Gast. Könntest du dir eine weitere Zusammenarbeit mit Hafti vorstellen?
Wir hatten damals sehr guten Kontakt, das hat sich aber zurückentwickelt, weil er mit der Zeit immer beschäftigter wurde. Bei ihm ging es zu der Zeit richtig los. Deswegen hat es der Track leider nicht auf mein zweites Album »Lagrima« geschafft. Als wir noch in Kontakt standen, kamen wir beide sehr gut miteinander klar. Er ist auch ein Junge von der Straße und das hat einfach gepasst. Er ist auf jeden Fall korrekt drauf. Ob allerdings in Zukunft noch Projekte kommen werden, kann ich nicht sagen. Ich bin aber für alles offen.
 
Viele deiner Fans fragen auf Facebook immer wieder nach Features mit der 187 Strassenbande. Gibt es diesbezüglich Pläne?
Hast du meine Facebook-Seite gestalkt? (lacht) Bonez ist ein cooler Typ! Er hat mir Props gegeben, als »Kleiner Bruder« rauskam, das hat mich sehr gefreut. Die Jungs in Hamburg sind krass am Start und haben ihr Ding durchgezogen. Wenn du siehst, dass solche Leute deine Mucke pushen und feiern, dann gibt einem das echte Bestätigung. In Zukunft wird es wahrscheinlich etwas in die Richtung geben.
 
Zwischen dir und dem Plusmacher herrscht ja anscheinend auch eine recht enge Zusammenarbeit. Schließlich featurt ihr euch gegenseitig. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Mein Bruder! Wir haben uns durchs Boxen kennengelernt. Er traf meinen Trainer auf einer Veranstaltung, weil Leute von ihm da geboxt haben. Mein Trainer hat uns dann vorgestellt. Wir waren dann in Leipzig was trinken und die Chemie stimmte sofort. Auch wenn es anfänglich musikalisch ein paar Unterschiede gab, haben wir uns schnell eingespielt. Er ist ein cooler Typ und gehört zur Bande!
 

 
Welche Projekte stehen nach dem Release von »Sangre Mala« noch an?
Eine Tour, wenn das klargeht! Vielleicht auch zwei bis drei Features. Ich will das ein bisschen begrenzt halten und nicht rumhuren. Mein Junge Big A wird sein Album auf jeden Fall bald droppen. Wenn, dann nur mit meinen Jungs!
 
Foto: JayLab Films