Review: Gzuz & Bonez MC – High & Hungrig

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(Distri/Soulfood)
 
Mit reichlich Verspätung erscheint nun die ursprünglich für 2010 angekündigte Kollaboration der beiden 187-Straßenbande-Künstler Gzuz und Bonez MC. Doch der Titel »High & Hungrig« trügt ein wenig: Hier und da wird zwar mal eine Sportzigarette geraucht, im Mittelpunkt steht jedoch eindeutig der Hunger. Insbesondere Gzuz, dessen zweieinhalbjährige Haftstrafe Grund für die Verzögerung der Veröffentlichung war, hat genug vom Leben hinter Gittern und den damit verbundenen Entbehrungen. Geld, Frauen, Anerkennung – das gute Leben soll nun her. Die wesentliche Frage, die sich dabei stellt, ist, ob dieses Leben mit anerkannter Arbeit oder doch eher mit illegalen Mitteln erreichbar ist. Der Spagat zwischen Sperenzchen auf der Straße und bravem Bürgertum wird auf diesem Album einmal mehr zum altbekannten Leitmotiv. Das ist natürlich weder neu, noch fügt »High & Hungrig« dem eine weitere Facette hinzu. Ihre Daseinsberechtigung belegen die beiden Hamburger dennoch allein mit dem Unterhaltungswert ihres Albums. Außerdem scheinen Gzuz & Bonez nicht nur ihr Handwerk durch und durch verstanden zu haben, man mag den Geschichten ihres Alltags schlichtweg auch Glauben schenken – ein nicht zu unterschätzendes Kriterium für qualitativen Straßenrap. Egal, ob es um das Leben im Gefängnis, krumme Dinger oder ernsthafte Zweifel an der Zukunft geht, man nimmt diesen Jungs jedes Wort ab. Dabei wirken die Texte nicht zu verbohrt, denn auch der eine oder andere selbstironische Ansatz ist vorhanden. Bonez und Gzuz wirken gleichermaßen gefährlich wie sympathisch. Auch wenn das Gangsterimage natürlich über die Maßen gepflegt wird, kann man sich am Ende der Platte deutlich schlimmeres vorstellen, als mal ein Bierchen mit den beiden zu verhaften. Musikalisch sorgt Produzent Jambeatz für ein einheitliches Soundbild, das auf lange Sicht zwar mehr Abwechslung und ein paar Gunshots weniger hätte vertragen können, das aber eine passende und unaufdringliche Untermalung für die beiden Nordlichter liefert. Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden, es muss nur rollen – egal ob auf der Straße oder auf dem Bürgersteig.
 
Text: Patrick Lublow