Sentino – Sentinos Way 3 // Review

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((Supr))

Wenn von Sentino die Rede ist, geht es schnell um das alte Ghostwriting-Thema, unelegante Abschiede von Partnern wie zuletzt Fler und am Ende immer auch um verschwendetes Talent. Nach einem Ausflug in den polnischen Pop-Rap ist Sentino aka Sentence das dritte Mal unterwegs, wie zuletzt schon in seinem wahrscheinlich größten Hit jemals. »Sentinos Way 3« soll den Beweis antreten, dass es selbst nach einigen kleinen und großen Umwegen immer noch möglich ist, sein unbestreitbares Talent umzusetzen. Schon nach dem Intro geht es dafür ein Stück in der Zeit zurück, denn egal ob »Sohn des Paten«, »Ingenieur des Verbrechens« oder »Und dann stirbst du«: Mit Sample-Beats samt Bushido-Electro-Ghetto-extra-viel-Hall-Snares, auf denen Sentino ein Schlachtfeld voller Straßenanekdoten und (teilweise etwas wahllosen) Punchline-Aneinanderreihungen inszeniert, wirken die Tracks alle seltsam überholt. Was er aus der Vergangenheit leider auch mitgebracht hat, ist gelegentliches Homo-Gebashe. Bei Zeilen wie »und seh ich gottverfluchte Schwuchteln küssen, geben sie den Löffel ab, wie Obdachlose in Suppenküchen«, kann man sich nur kopfschüttelnd abwenden. Allerdings: »Sentinos Way 3« weiß trotzdem zu punkten. Denn obwohl er die Monothematik höchstens ein Stück weit verlässt, wenn er sich ein Konzept als Korsett verpasst (»Kopf über Herz«), schafft Sentino gerade damit bei Hörern der Aggro-Berlin-Ära eine nostalgische Wärme im Gangstarap-Herzen. Sentino hat ein klassisches Straßenalbum geschaffen, das unangestrengt ist, kaum Fehler macht, allerdings exklusiv für Genrefans funktioniert. Außerdem hat kein einziger Track auch nur annähernd das Hitpotenzial eines »Unterwegs«, obwohl in der zweiten Hälfte Songs wie »AS Monaco« oder »Verräter« den Schritt zurück in die Zukunft und zu brachialem Trap wagen. Vor über zehn Jahren stellte Sentino die mutige These auf, er sei deutscher HipHop. Den endgültigen Beweis bleibt das ewige Talent der Szene immer noch schuldig.

Text: Arne Lehrke

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