Trettmann – KitschKrieg 2 // Review

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Trettmann-Cover

 
Vom Dub zum Dab – und trotzdem ein Originator. Im Kosmos des Wendejugendlichen Trettmann wuchs schon immer zusammen, was zusammen gehört: Kush und Kartoffeln, Kingston und Kreuzberg, Kitsch und Krieg. Als der Early Adopter im letzten Jahr Drakes »Hotline Bling« eindeutschte, war die Platinsingle noch ein Soundcloud-Goodie und der Leipziger ein Geheimtipp, ein Nischenstar der stagnierenden deutschen Dancehall-Szene. Das KitschKrieg-Kollektiv, bestehend aus Rootdown-Produzent Teka, Soulforce-Selektah Fizzle, Symbiz-­Soundfrickler Fiji Kris und der Fotografin awhodat, verpasste ihm das passende Upgrade aus Skyline-Sequenzen, Steeldrum-Synkopen und Synthie-Sphären. Vom Yard ging es in die Trap, direkt in Trettis zweiten »Lila Frühling«. »KitschKrieg 2« ist die nächste EP-Großtat innerhalb weniger Monate: das Manifest eines Ravers vor dem Herrn, der die neusten Innovationen aus London, Atlanta, Toronto, Jamaika, Wien und Köln mit einem Schluck Autotune herunterspült und mit einem Melodie­gespür wieder ausspuckt, für das die deutsche Sprache nie gedacht war. »KitschKrieg 2« ist eine Ode an alles Schöne, ein Hoch auf das Lotterleben. Das Effekt- und Anglizismen-Game on lock, gibt Onkel Tretti der ganzen Welt ’nen Korb, vor allem »Alman-Boulevards«, ­Techno und Boombap. Er hat die Hitze, Hits mit Haiyti, Dubplates mit Samy Deluxe und Ufo 361 und den Rücken der gesamten Gönner-­Gene­ra­tion, deren Vater dieser Zulu-sozialisierte U-40er sein könnte, würde er nicht ähnlich based durch Club und Nebel turnen und Ewiggestrigen den »Longdrink übern Blazer« kippen. Während die Post-Swag-Jünger verloren durch Wolken taumeln, die Majors auch endlich Bescheid wissen, und sich ein Overkill an nicht schlafenden, nichtssagenden Gangs ankündigt, wirkt Trettmann wie der Elder Statesmen des neuen »crazy Trend Cloud Rap« (s/o an die BRAVO). Witness die Litness.